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Reisebericht Volere Volare – Kleine Windkraft Italien

In der nächsten Woche beginnen die Vertragsverhandlungen für Volere Volare. Mit nachhaltigen Geldanlagen finanziert, wird die Erneuerbare Energien Anlage in Italien einen Beitrag zur klimaschonenden Energieproduktion leisten. Mit Grippe im Bett liegend lese ich als Vorbereitung für eine Projektbesichtigung in Italien Goethes Reisebeschreibungen.

Ich bin den Menschen ja so leid, sein immer währendes, scheußlich anzusehendes Irren und unerträglich schweres Streben. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, was ist der Mensch, was  kann er schaffen? Was macht den Menschen menschlich und was scheidet ihn vom Tiere? Sein Geist, seine Fertigkeiten, sein Kunstverstand und Handeln? Ha! Ich war es leid. Ich war es müde, mich mit Gottes Ebenbild zu befassen, mir war es gleich, woher er kam und wohin er taumelte erst recht. (Goethe, Italienreise)

Ich folgte einer gereiften Hoffnung und Sehnsucht. Nie erstickte die Idee von einem Land, in dem Kunst und schönste Tugend geschaffen wurde und das jetzt auch, wie unser Land zu einer 100% Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien strebt - für und durch die Zeiten im Einklang mit der Natur……….

Von verschlafenen Gesichtern keine Spur, aber Erwartung. Um den Vesuv schmiegt sich die Straße der Tristesse der Stadt zu entkommen. Neapel im Nebel. Bei Paestum stehen im satten Grün griechische Tempel. Gebaute Harmonie, deren Klang auch in den Ruinen nachhallt. Jetzt einen Espresso und ein Schokoladenhörnchen. Auf halbem Weg nach Melfi, am Marktplatz eines geschäftigen Dorfes, stehen zwei Stühle und ein Tisch im Sonnenlicht. Dichter Nebel am Monticchio. Nach einer Stunde erreichen wir den Berg. Durch den Nebel topft die Sonne. Weiße Schwaden verhängen den Blick, wechseln mit dem dumpfen Grün des Waldes.

 


- Il Cantuccio Del Vulture -

 

Kein Haus, kein Licht, 1000 Meter Stille. Dünne Luft auf 800 m Höhe, eine Weggabelung. Das Navigationsgerät kennt die Adresse nicht, der Pfeil steht außerhalb einer Straße im Grün. Morgen wollen wir uns Volere Volare ansehen. Unsere Anleger sollen wissen wo ihr Geld wirkt. Es wäre gut angelegt, hier in der Region Potenza. Vielleicht hatte Friedrich der Zweite, der Staufer, auch ein gutes Gefühl, als er die Pfalz in Melfi bauen ließ. Ich könnte es verstehen. Vielleicht gab es auch schon den trockenen Rotwein Aglianico del Vulture. Heute eine weite, sanft hügelige Landschaft umgeben von Bergketten, gesegnet mit Wind, Sonne, Kultur und vielen Windkraftanlagen.

Wir wählen die schmale unbefestigte Straße. Es hätte ein Hinweisschild sein können, was da vermorscht im rechten Straßengraben steht. Wir waren überrascht, als die Waldwand plötzlich aufriss. Von der Abendsonne schon gerötet empfing uns Il Cantuccio Del Vulture mit einer märchenhaften Aussicht. Ich dachte sofort an den Film „Ich habe keine Angst“, der an diesem Ort spielt. Ein Film des italienischen Regisseurs Gabriele Salvatores aus dem Jahre 2003. Er beruht auf dem gleichnamigen Roman von Niccolò Ammaniti. In den 1970er Jahren beunruhigten mehr als tausend Entführungsfälle die italienische Öffentlichkeit. Im Film geht es hauptsächlich um Freundschaft und Opferbereitschaft und Vertrauen, um den Glauben an Rettung und um die Überzeugung, auch als unbedeutende Person die entscheidende Wende bewirken zu können. Das Gesichtsfeld der Kamera, die aus 1,30 Meter Höhe das Geschehen beobachtet, entspricht dem des Hauptdarstellers. Es gibt keine Szene, in der der Hauptdarsteller, der zwölfjährige Michele, nicht anwesend ist. Der Zuschauer schlüpft auf diese Weise in Micheles Haut, sehen alles mit an, was er selbst sieht und weiß nur das, was der kleine Junge erfährt.

Vielleicht sollten wir das auch einmal tun, wenn wir über Energieversorgung und Geldanlagen nachdenken. Einfach die Perspektive der kommenden Generationen einnehmen. Ich bin sicher das wirtschaften würde nachhaltiger und auch die Geldanlagen würden sich an nachhaltigen Kriterien ausrichten.

In der Abenddämmerung erkenne ich die Grünen Hügel des Vulture, gesprenkelt mit Tupfern roter Mohnblüten. Eine fast surreale Landschaft. Alles deutet auf Sorglosigkeit, Friedlichkeit, Schönheit.

 

Mohnfeld
- Mohnfeld -

 

Nach einer herzlichen Begrüßung mit Kaffee und selbst gebackenen Plätzchen beziehen wir unsere Zimmer im Dachgeschoss. Von dort führt eine Freitreppe in den Hof. Wir scheinen die einzigen Gäste der Agriturismo zu sein und machen unsere Wirtin vorsichtshalber darauf aufmerksam, dass wir hier auch zu Abend essen möchten. Kein Problem.

Nach 19.00 Uhr finden wir uns als die einzigen Gäste in einem sehr großen Speisesaal mit erdbebensicheren Decken und Pfeilern ein, in dem alle Tische gedeckt sind und der trotz moderner Konstruktion über ein angenehmes Ambiente verfügt. Der Wirt und die Signora geben sich sehr große Mühe, uns mit Antipasto, Pasta, Secondo und Vino aus eigenem Anbau zu verwöhnen. Als wir schließlich müde und gesättigt unsere Zimmer aufsuchen, hören wir, wie unten alles abgesperrt wird, unsere Wirtsleute ins Auto steigen und wegfahren. Durch das Bullaugenfenster unseres Zimmers scheint bleich der Mond und schärft die Silhouette des Vulkans Monte Vulture. Wo mag das Erdloch sein in dem sie Filippo versteckt gehalten hatten um Geld zu erpressen. Ich träume von den wogenden Weizenfeldern und der Landung eines Hubschraubers.

Morgen fahren wir zu unserem Projektstandort Fliegen Wollen „Volere Volare“.

Ein traditionelles Frühstückchen mit Cornetto. Diesmal mit Unterhaltung. Ein weiterer Gast ist angekommen. Einer, der Schokoladenfabriken am laufen hält. Er fliegt und fährt mit seinem Laptop von einer Fabrik zur nächsten und korrigiert Softwarefehler, damit die Bänder nicht still stehen.

Wir brechen auf nach Osten Richtung Melfi. Bald erscheinen die ersten Windräder am Horizont. An einem der windhöffigsten Standorte im Lande wird sauberer, umweltfreundlicher und nachhaltiger Strom produziert. In der Region Basilikata stehen heute 360 MW Wind-Anlagenleistung. Wir folgen den Hinweisschildern zum Fiatwerk Sata, dem größten Arbeitgeber der Region. Dort arbeiten 7000 Menschen. Gleich nach dem Werksgelände führt ein Gras Weg entlang landwirtschaftlich genutzter Flächen. Ein grünes Meer aus Ackerbohnen. Wir orientieren uns an der vorhandenen Photovoltaik-Freiflächenanlage. Ein Windrad mit 50 m Nabenhöhe steht schon. Es ist in unserem Lageplan noch nicht eingezeichnet. An der nächsten Anhöhe steigen wir aus. Ein aufgelassenes Pumpwerk mit Wasserbecken aus einem EU-Projekt gibt eine gute Orientierung sonst hat es keinen Nutzen mehr.

 


- Die ersten Windräder -

 

Der Wind frischt auf. Eine kalte Briese aus Ost lässt uns die Kapuzenjacken aus dem Auto holen. Wir schreiten den Weg ab und lokalisieren vier der fünf Projektstandorte. Meine Frau meint es wäre keine gute Idee mit einer halb ausgeheilten Grippe Windstandorte zu erkunden. Hinter einer kleinen Kuppe entdecken wir ein Feld mit Klatschmohn. Scharlachroter Mohn, kein Gedanke mehr an Grippe und kalten Wind. Nummer fünf liegt etwas abseits. Feuchter Boden die Gründung wird hier etwas aufwendiger werden. Dann nähert sich ein alter Lada und zwei braungebrannte vom Wind gegerbte Gesichter lachen uns an. Tedesco? Si. L'energia eolica? Si. Benvenuto. Sie freuen sich auf die neuen Projekte. Es gibt wieder Arbeit. Was Deutschland nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima politisch durchgesetzt hat, erfolgte in Italien schon im Jahr 1990: Der Ausstieg aus der Atomkraft. Nach dem Super-Gau des Kernkraftwerks in Tschernobyl im Jahr 1986 erfolgte eine Volksabstimmung, deren Ergebnis den Ausstieg besiegelte. Vier Kernkraftwerke wurden abgeschaltet. Ein geplanter Wiedereinstieg in die Kernenergie unter Silvio Berlusconi wurde mit einer weiteren Volksabstimmung im Juni 2011 seitens der Bevölkerung abgelehnt. Von da an begann ein kleines Wirtschaftswunder in der Basilikata, eine der fünf wichtigsten Windkraftregionen in Italien. Arrivederci. Schlingernd setzt der Lada seine fahrt fort. Nach einem kurzen Fotostopp am Windrad fahren wir Richtung Melfi. Hier kennt unser Navi jeden Feldweg. Jetzt wäre der richtige Moment für ein zweites Frühstück mit Caffè und einem Tramezzino. Leider wird die nächste Bar erst in Melfi angezeigt, bis wir dort ankommen wird wohl alles geschlossen sein. Bleibt also noch Zeit die Pflanzenwelt der Umgebung zu studieren und einige nachhaltige Impressionen einzufangen.

In meinen Unterlagen lese ich noch nach: Das Gesamtpotenzial der Windkraft in Italien bis 2020 beträgt laut ANEV 16.500 MW. Die Ziele der italienischen Regierung sehen vor, davon 12.500 MW installierte Leistung bis 2020 auszubauen. Italien hat seine Klimaschutzziele zusammen mit den anderen Mitgliedsstaaten auf EU-Ebene vereinbart, sodass 26% des Stromverbrauchs und 17% des Primärenergieverbrauchs (der inzwischen in der nationalen Energiestrategie auf 19 bis 20% angehoben wurde) bis 2020 aus erneuerbaren Energien stammen müssen. Trotz der Reduzierung der Förderung wird Italien seine Klimaziele voraussichtlich überschreiten. Anders als Deutschland, die jetzt schon den Ausbauplänen hinterherhinken.

Es geht hoch hinauf. 530 Meter liegt Melfi über dem Meer. Auf der abschüssigen durchlöcherten Straße nach Melfi kommen uns zwei Jungs mit ihren Mopeds entgegen. Man muss wohl hier aufgewachsen sein um solche Strecken in einem Tempo zu fahren als wäre der eilige Michael mit seinem Flammenschwert hinter einem her.

Die Pflasterstraße hoch zur Burg. Hier können wir parken. In einem kleinen Laden noch schnell einen Espresso und ein Eis bevor es in die Sommerresidenz von Friedrich dem II geht. Hier in der normannischen Stadt Melfi wurde zum ersten Kreuzzug aufgerufen. Hier wurde die erste Kodifizierung einer Rechtsordnung veranlasst, die als "Konstitutionen von Melfi" bis in die Neuzeit als Gesetzestext ihre Bedeutung bewahrte. Friedrich II. hatte dem Land mit diesen niedergeschriebenen und für jedermann gültigen Gesetzen auf bis dahin einmalige Weise ein Verfahrens- und Prozessrecht, ein Straf- und Verfahrensrecht gegeben. An diesem Verfahren für „jedermann Gültig“ hätte sich ein gewisser Berlusconi ein Beispiel nehmen sollen. Heute fesseln den Besucher Kunstschätze und Kulturgüter. Heute eines der besten archäologischen Museen des Mezzogiorno.

Nach Zwei Stunden Vor- und Frühgeschichte schlendern wir nach unten in den Ortskern zum Dom. Dessen Campanile mit seinem ungewöhnlichen, schwarz-weißen Dekor stammt ebenfalls noch aus der Zeit der Normannen und trotzt seit dem elften Jahrhundert allen Erdbeben. Es ist Espressozeit. Due Espresso und zwei Dolce und zwei Sitzplätze in der Sonne. Ein anmutig gestalteter Platz, fast Menschenleer. Wir wundern uns über die geringe Rechnung und legen das Geld auf den Tisch. Rom ist weit, sagt der Kellner.

Das Navi führt uns durch die engsten Gassen. Spiegel einklappen! Am liebsten Augen zu und durch, aber das geht jetzt nicht. Ein junger Mann lotst uns zwischen Treppenstufen und Hausecke hindurch, jetzt nur nicht Niesen müssen, die Firma Budget unser Autoverleih hätte dafür kein Verständnis. Nach dem Kreisverkehr geht es hinauf in die Weinberge. Die Region Basilikata ist mit 10.848 Hektar eine der kleinsten Weinbauregionen Italiens. Die Weinberge im Bereich Vulture zählen zu den höchstgelegenen in ganz Europa. Das Rebland ist in viele tausend kleiner Parzellen, die häufig nicht einmal 1 ha groß sind, zerstückelt. Durch Weinberge, kleine Oliven- und Mandelbestände geht es hinauf zum Monte Vulture.

Schon aus der Ferne erstrahlt weiß die Abbazia di San Michele, eine von Benediktinern im 12./13. Jahrhundert in luftiger Höhe erbaute Kirche mit Kloster und Grotte. Die Grotte gehört zu den bedeutenden süditalienschen Michaelskultplätzen. Auf einem Fresco aus dem 12. Jahrhundert sind  Jesus, Johannes sowie einige Apostel abgebildet, die an der Himmelspforte wachen – jeder Tote muss sie passieren und über sein Leben Rechenschaft ablegen. Gut dass wir nachhaltig wirtschaften denke ich, da kann uns wenig passieren. Nachhaltige Geldanlagen bergen zwar auch Risiken, Sie mindern aber bei richtiger Anlagestrategie die Risiken für die nächsten Generationen. Das dachten wohl auch die Mönche die hier Geld und Leben investierten.

Neben dem Fresko wird es feuchter. Dort tritt Wasser aus dem Felsen und fließt in ein kleines Becken. Davor befindet sich eine leicht vertiefte Stelle. Wenn man sich barfuß an diesen Platz stellt, soll man eine starke Energie spüren können, viele Deutsche sagt man, Glauben daran. Viele glauben aber auch an Erneuerbare Energien und dass man damit ein Land wie Deutschland oder Italien zu 100% versorgen kann. Dieser Glaube ist nicht so lange tradiert, hat aber das potential den nächsten Generationen ein annehmbares Leben zu sichern, diskutiere ich mit dem Pater am Eingang der deutsch spricht.

In den vorderen Räumen hat man einen sagenhaften Blick auf den Laghi di Monticchio. In den Räumen sind Modelle vieler Kathedralen ausgestellt die ein über 80 jähriger Architekt aus der Umgebung nachgebaut hat. https://www.youtube.com/watch?v=hQzDwt049-M

Kurz vor der blauen Stunde. Wir zwei Gäste in der Höhlenbar neben dem Ausgang des Klosters. Vor uns Wein, Brot und Käse. Aglianico del Vulture, aus eigener Herstellung, wie der Barmann versichert. Aus dem Radio klingt Starway to heaven. Da gibt es eine Dame, die glaubt, dass alles Gold ist, was glänzt. Die will sich tatsächlich eine Treppe zum Himmel kaufen! Und wenn die Läden auch schon zu sind – egal. Sie hat gelernt, dass ein Wort genügt, und sie bekommt, was sie will: Einmal Himmelstreppe, bitte! Vor diesem Paradies steht wohl Sankt Michael mit seinem Flammenschwert. Sie wird es schwer haben die Dame, bisher kam keiner zurück ins Paradies.

Mit einem lächeln schenkt der Barmann nach und fragt woher wir kämen und wo wir wohnten. Und wir stellen in einer Mischung aus Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch fest, unsere Vermieterin ist seine Schwägerin. Dünn besiedelt dieses Land, denke ich.

Und wie wir uns so die Straße entlang schlängeln, und unsere Schatten mittlerweile größer sind als unsere Seelen – da vorne läuft doch einer, den wir alle kennen! Mit einem Flammenschwert, läuft in eine Nebelwand. Hörst du auch die Melodie – wenn alles und alle miteinander eins werden. Wir stehen in einem Vulkan und es bewegt sich nichts, außer die Zweige in einem Busch. Und sie will allen Ernstes eine Treppe zum Himmel kaufen, lachst du. Ja, sage ich, komisches Lied.

Durch den Nebel fahren wir zurück, vorbei am vermorschten Hinweisschild. Am ende der Nebelwand steht wieder Cantuccio del Vulture in der Abendsonne. Morgen brechen wir auf zum ionischen Meer.

Aus Apulien kommend, das südöstlich an die Provinz Basilikata anschließt, fahren wir Richtung Potenza, der Hauptstadt der Basilikata. Wir nehmen die Superstrada 407, die den östlichen Golf von Tarent mit dem westlichen Golf von Salerno verbindet. Unser Ziel ist das vulkanische Vulture-Massiv, ein südlicher Teil des Apennins.

Das Gebiet der heutigen Basilikata entspricht dem antiken Lukanien, benannt nach den Lukanern, einem gefürchteten Bergvolk. Der Name Basilikata geht auf die Byzantiner zurück und ist heute die offizielle Bezeichnung der Region. Sie misst knapp zehntausend Quadratkilometer und ist mit ihren 610 000 Einwohnern nur dünn besiedelt.

Die SS 407 führt entlang des von beiden Seiten von Bergen umsäumten, fruchtbaren Basento-Tales. Bereits die Fahrt durch dieses Flusstal streift etliche Orte, die für die vielfältige Geschichte dieser herb-bitteren italienischen Region stehen. Gleich zu Beginn des Tales liegt zur Linken der Ort Metaponto. Dessen Hera-Tempel zeugt durch die immer noch hoch in den basilikatischen Himmel ragenden Säulen von den Zeiten, als hier einer der Hauptorte der "Magna Graecia" lag. An diesem Ort findet sich seit 480 vor Christus das Grab des durch seinen mathematischen Satz berühmten Pythagoras. Wir erinnern uns a quadrat plus b quadrat gleich c quadrat.

Wir sind in Metaponto mit dem Heratempel und dem Archäologischen Park. Ein wenig Vorstellungskraft gehört schon dazu, sich hier eine blühende griechische Besiedelung vorzustellen.

Ich lese „Die Wasser Apuliens“ von Tommaso die Ciaula. Der Mann, der Frosch und der Löwe reisen zum Meer. Den Duft von Salzwasser zu riechen, ihre Vergangenheit zu finden. Sie begegnen der unaufhaltsamen Zerstörung von Natur und Kultur. Das Meer leckt leise den Sand. Wir wandern zu zweit entlang der noch eingewinterten Boote. Die Sonnenterassen sind leer. Ein ruhiges Plätzchen nach einer langen Fahrt. Herzmuscheln rufen nach dir, die Segel schlagen im Wind. Mit Schlauchbooten entern einige Studenten eine schlingernde Jacht. Am Strand hebt ein Drachen den neoprenbehäuteten Surfer über die Wellen. es geht gegen zwölf. Im einzigen Fischlokal am Strand sammeln sich die Menschen. Es riecht nach gebratenem Fisch. Wir folgen den knurrenden Mägen an einen der freien Tische. Mit allem, eine Meeresfrüchteplatte. Der Weißwein liegt noch auf der Hefe. Neblige kühle Flüssigkeit im Glas. Es schmeckt nach Meer.

Nachmittags besuchen wir die WWF-Oase Bosco Pantano di Policoro, ein letztes Überbleibsel der mächtigen Hochwälder, die sich vor der Trockenlegung über die ganze sumpfige Küste erstreckten. Wir besichtigen die Station für die Schildkrötenrettung und wandern durch den Lehrpfad in den Dünen.

Nicht weit nach Metaponto grüßt das weiße Pisticci von seinem Berg herab. Dessen Geschichte ist in erster Linie geprägt von verheerenden Erdrutschen, wie sie hier in der Basilikata so typisch sind, und bis in unser Jahrhundert immer wieder Tote fordern. Je tiefer wir in das Basento-Tal eindringen, desto mehr calanchi, zu deutsch Runzen, bestimmen das Landschaftsbild. Diese calanchi sind durch Bergrutsche hervorgerufene Verwerfungen, grau-braune Erosionsfurchen, die sich, das Grün durchbrechend, die Berge hinunterziehen. Man ahnt, wie brutal und unberechenbar hier Naturgewalten seit Jahrtausenden herrschen. Man merkt es auch an den Straßen. Nach zwei Stunden Rückfahrt genießen wir noch die vorzügliche Küche unseres Agriturismo. Heute mit sechzig anderen Gästen, die sich ab 21.00 Uhr zu einer Geburtstagsfeier einfinden. Sie begleiten uns noch bis 2.00 Uhr nachts, bis wird vor Müdigkeit einschlafen müssen.

Nach dem Frühstück mit duftendem Cappucciono führt uns der erste Weg in das nur wenige Kilometer entfernte Städtchen Ripacandida. Zwar weist auch unser Reiseführer Ripacandida mit einem "Sehenswert"-Stern aus, doch führen uns nicht in erster Linie die Kulturschätze an diesen Ort, sondern die Neugierde über Magie und Geisterglauben. Seit der Lektüre des Siebenhundert-Seiten-Schmökers "Magie und Macht in Italien - Über Frauenzauber, Kirche und Politik" von Thomas Hauschild wollten wir den Ort kennenlernen, in dem der Tübinger Ethnologe bei seinen Feldforschungen katholischen Schamanismus ausfindig machte. Seinen Erfahrungen mit Heilern und Heiligenkulten, mit Verhexung und Besessenheit, mit Aberglaube und ekstatischer Religiosität, mit Verquickung von Macht und Politik durch Bindung und Lösung, gilt es nachzuspüren. Unser erster Weg führt zur Kirche des Heiligen Donatus, dem in Ripocandida verehrten Heiligen der Krüppel und Epileptiker, der im Jahre 362 den Tod durch Enthauptung fand. Von Geistern ist an diesem sonnenbeschienen Tag weit und breit nichts zu spüren, auch wenn der Blick auf den nahe gelegenen Friedhof an die Sargnägel erinnert, die hier zu Zauberzwecken entwendet worden sein sollen. Der weitere Tag gehört der Sonne, dem Cafe.

Vor der Abfahrt am nächsten morgen schenkt uns die Vermieterin noch ein Andenken, einen selbst angebauten Aglianico, angebaut auf vulkanischem Untergrund. Ein tief rubinroter, körperreicher und gehaltvoller Wein mit intensivem Tannin und einer kräftigen Säure. Wir versprechen ihr wiederzukommen. Gerne empfehlen wir diese Unterkunft Ihr Sohn macht noch ein Erinnerungsfoto. Dann fahren wir die verschlungenen Waldwege hinab ins Tal. Bis zum Flughafen Neapel sind es drei Stunden über Land. Wir nehmen die mautpflichtige Autobahn und machen noch einen Zwischenstopp auf einer Raststätte. Mit Photovoltaikmodulen beschattete Parkplätze, das hätte ich in Italien nicht vermutet. Das ist praktisch, dazu noch die Ladestationen für Elektroautos.

In Neapel begrüßt uns eine Gewitterfront die bedrohlich über dem Meer thront. Mit einer Stunde Verspätung startet die Maschine mit einem weiten Bogen übers Meer nach Stuttgart.

Das nächste Mal werden wir mit dem Nachtzug ab Würzburg anreisen und uns im Schlafwagen einen Aglianico del Vulture servieren lassen.
 

Hier einige Impressionen

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



Volere Volare - Kleinwindanlagen in Italien

Volere Volare ist ein kleiner Windpark in der italienischen Gemeinde Melfi in der Region Basilicata. Der Windpark besteht aus 5 Windkraftanlagen, mit einer Leistung von jeweils ca. 200 kWp. Hersteller der Windturbinen ist die Firma Verstas. Sie liefert 5 Turbinen des Typs  V47 mit einer Leistungsdrosselung auf 200 kWp. Die Anlagen haben eine Narbenhöhe von 50 m. Die Baugenehmigung und die Eintragung in die CIS Liste, sowie entsprechende Windgutachten liegen vor.

 

SolarArt Kraftwerk hat die Möglichkeit den Windpark über ein Joint Venture mit einer italienischen Firma zu erwerben. Diese Partnerfirma hat bereits Erfahrung in der Umsetzung von Projekten in Italien. Beide Firmen werden zu gleichen Teilen Eigentümerinnen der Gesellschaft Volere Volare, die das Eigentum an den Windkraftanlagen und den dazugehörigen Grundstücken hält.


Hier einige Eindrücke von diesem Projekt